Chronik 25.10.2020

Repressiver Liberalismus. Vom Ende eines Jahrzehnts und dem Traum einer schweigenden Mehrheit.

Mitunter gibt es gute Gründe die politische Zeitrechnung von der streng kalendarischen abweichen zu lassen. Elementare Ereignisse oder der Wechsel gewisser Grundstimmungen sind dann hilfreicher zur Erfassung von Epochen. Wir kennen die Rede vom „langen 19. Jahrhundert“, das mit der Französischen Revolution 1789 verfrüht beginnt und mit dem Ersten Weltkrieg 1914 bzw. 1918 verspätet abgeschlossen ist. Es folgt darauf das „kurze 20. Jahrhundert“, das mit dem Ersten Weltkrieg und der Russischen Revolution 1917 anbricht und mit dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989/1990 endet.

Weiterlesen

Kultur 26.07.2019

Die große Müdigkeit. Von der Ausbreitung des Reaktionären.

Wenn in den letzten Jahren zunehmend von einer „ge­sell­schaft­lich­en Spaltung“ in den westlichen Staaten die Rede war, dann war das nicht bloße Rhetorik, sondern die Beschreibung eines diffusen Phänomens, das sich gewissermaßen an zwei Achsen vollzieht. Die eine Achse verläuft zwischen „oben“ und „unten“, die andere zwischen „links“ und „rechts“. Stark vereinfacht kann man sagen: „links oben“ gegen „rechts unten“. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die die fortschreitende Liberalisierung der westlichen Gesellschaften begrüßen. Auf der anderen Seite stehen jene, die sie bremsen oder umkehren wollen.

Weiterlesen

Kultur 26.05.2019

Volle Fahrt ins Nichts. Wieso uns Rechts­popu­listen nicht retten werden.

Die rechtspopulistischen Parteien sind für Patrioten von Relevanz, weil sie die einzigen, politisch bedeutsamen Akteure im Westen sind, die sich gegen Einwanderung aussprechen. Das bedeutet noch nicht, dass alle Rechtspopulisten grundsätzlich gegen Einwanderung wären. So richtete sich die Kritik in der letzten Zeit vor allem gegen illegale Einwanderung. In weiten Teilen entspricht der politische Forderungskatalog der Rechtspopulisten ohnehin dem, was vor einigen Jahren noch unter sozialdemokratischen und christlich-bürgerlichen Parteien relativer Konsens war.

Weiterlesen